aletsch-gletscherlauf

bettmeralp halbmarathon

[and][06-2009]

trail-hm par excellence und „was haben wir für ein glück“


der lauf stand anfangs unter keinem guten stern. die ganze woche über sprach die wettervorhersage von sehr kalten temperaturen, viel regen, eventuell schnee. dazu kommen ca. 5 stunden anfahrt allein aus dem allgäu. die begeisterung war doch sehr gedämpft. samstag fuhren wir in strömenden regen ins allgäu, um mit axel gemeinsam ins goms zu fahren. nach 3 stunden regenfahrt und einer stunde stau am walensee befand sich unsere stimmung nahe dem tiefpunkt. auf dem weiteren weg besserte sich jedoch das wetter stetig und als wir abends in mörel ankamen, sahen wir schon die ersten anzeichen von blauem himmel.
nachdem der rest der truppe (daniel, phi und lo) über zürich zu uns stiessen, war die welt - ein essen und zwei walliser biere später - wieder ganz in ordnung und wir voller tatendrang für den nächsten tag.
die taktische ansage von axel lautete die ersten 15 km (mit kleinem hügel) möglichst zügig hinter sich bringen und dann den restlichen berg versuchen hoch zu wandern. klang ganz gut...

frühstück um 7:00. und was wollen wir mehr: wolkenloser himmel und die ersten sonnenstrahlen! was axel vermehrt und wiederholt zu einem begeisterten „was haben wir für ein glück“ animiert.
das hotel ist mit der seilbahn zur riederalpe verbunden. so können wir eigentlich direkt vom frühstücksraum in die seilbahn. von 700 meter meereshöhe auf etwa 1900m und dort gleich weiter mit dem elektrobähnli rüber zur bettmeralp. hier hat es bereits am morgen fast 20 grad! „was haben wir für ein glück!“
der start befindet sich an der station der bettmeralp-bahn. die fast 1800 starter werden auf 6 startblöcke verteilt, die jeweils mit einem abstand von 5 minuten auf die strecke geschickt werden. der sprecher erinnert noch gewissenhaft an den erhöhten flüssigkeitsbedarf in der doch ordentlichen höhe und der hitze. wir starten verwegen im dritten startblock. bereits nach 1,5 km verlassen wir den asphaltierten weg und werden ihn auch nicht mehr betreten! doch auch der forstweg wandelt sich recht bald schon in einen wanderweg. nur das mit den eigentlich flachen ersten 15 km haben wir irgendwie fantasiert. die strecke ist immer kupiert, teilweise mit sehr giftigen anstiegen, die einen schon auf den ersten kilometern zu geheinlagen zwingen. anspruchsvolle wege mit viel wurzelwerk und steinen machen das überholen schwer. so laufen wir weite abschnitte im gänsemarsch. leider kann ich dadurch meinen bergabvorteil nicht ausspielen. auf der ebene wird dann ordentlich gas gegeben, bergauf muss ich bereits die ersten ziehen lassen.



nach einer durchaus bemerkenswert langen steilen rampe laufen wir ein absolutes highlight: der pfad rund um das riederhorn. zum teil grob verblockt, weitestgehend ein richtig schöner waldpfad, der sich am steilhang entlangschlängelt. stellenweise recht ausgesetzte passagen und nette tiefblicke machen meist ein überholen vollkomen unmöglich. hier 1800 läufer drüberzulassen ist mutig, aber genial!
nach einiger zeit vollenden wir die runde und kommen wieder am schlösschen auf der riederfurka an. ab hier gibt’s an den vorbildlichen verpflegungsständen zum wasser, iso und tee auch noch cola.
ein anstieg auf den kamm und wir erhalten von oben einen gigantischen blick auf den weit unten liegenden aletschgletscher. ab hier finden sich relativ viele zuschauer ein, meist französisch sprachige, die einen, dank der auf die startnummer aufgedruckten vornamen, direkt ansprechen und mut machen. wir laufen ein ganzes stück den kamm entlang, was ein ewiges auf und ab bedeutet und ordentlich körner zieht. es wird zunehmend schwerer bergab und in der ebene zu laufen. bergauf klappt das nur noch bei kleinen wellen. das feld wird generell deutlich müder. immer mehr läufer stehen krampfend am wegrand, auch die stolperer und stürze nehmen zu. dann kommt leider noch ein richtiger hammer. die letzten 3 km sind definitiv eine wanderung. steilst bergauf zur bergstation am bettmerhorn über 2900m.
ich bin platt. vollkommen platt. ich schnaufe wie ein ochs und komme den berg trotzdem nicht hoch. im schneckentempo setzt ich ein fuß vor den anderen und versuch mich da hoch zu wuchten, während mich der rest vom feld kontinuierlich überholt. nicht schön... dafür sind die letzten hundert meter unterhalb der gipfelstation ordentlich besucht und die stimmung lautstark. immerhin schaffe ich unter aufmunterungen der zuschauer die letzten 20 meter zu laufen.



barbara gehört zu den „krampfern“ und verbringt die letzten 2 kilometer mehr im disput mit ihren waden als laufend. dank eines hilfbereiten und geübten zuschauers ist der letzte anstieg ohne weitere attacke, dafür aber nur gehend möglich.

am ziel erfolgt gratulation per handschlag durch die organisation und die aushändigung eines wirklich hochwertigen funktionsshirts, sowie einer kältetüte - hier oben ist es zugig und frisch im gegensatz zu der reststrecke, die war ordentlich heiß. getränke und weitere zielverpflegung in form von früchten, nusszopf, bircher müsli und joghurt.

in der seilbahn findet sich das kleiderdepot. kurz umziehen und mit der bahn runter nach bachtla. hier gibt es im anschluss an eine tennishalle die duschen.

die siegerehrung findet unter freiem himmel statt. die kulisse der walliser viertausender und eine kleine kapelle sind schon fast bilderbuch-kitschig. aber „was haben wir für ein glück“ - auf der rückfahrt drückt es schon wieder einige wolken über den grimselpass ins goms.

der aletschhalbmarathon ist definitiv einer der landschaftlich und streckentechnisch schönsten hm-läufe, aber auch einer der härtesten.
der veranstalter empfiehlt für die einteilung in die startblöcke die normale hm zeit + 40 minuten. das ist bei weitem nicht übertrieben. ich hätte es nicht für möglich gehalten auf einen hm derart lange unterwegs zu sein! beim nächstenmal werde ich sicherlich noch mehr zeit aufschlagen und mir die zeit fürs sightseeing nehmen. der lauf ist viel zu schade, um durchzuhetzen!