gore-tex transalpine-run 2008 ruhpolding - sexten



freitag - anreise   [and]

erster tag gore-tex transalpine-run. naja - eigentlich erst anfahrt. aber wir sind nach wochen und monaten der vorbereitung endlich unterwegs. das zählt schon.
gestern waren wir noch mit freunden auf einem kleinen abschiedsessen. die folge: zuviel bier und etwas zu wenig schlaf! nun gut, den können wir ja auf der zugfahrt nachholen. von ulm über memmingen, münchen, traunstein nach ruhpolding. was für eine gurkerei !

direkt vor der anmeldung in ruhpolding treffen wir auch schon "unsere" "ulmer donauläufer". bei der anmeldung herzliche begrüssung von uta, der plan b chefin. viele bekannte gesichter. wir sind halt alle wiederholungstäter.

wir beziehen unser camp und müssen leider auch nochmal umpacken, da die für den transport bereitgestellten taschen etwas kleiner ausfallen als die von 2006. wir packen von links nach rechts und wieder zurück. warme lange hose bleibt da - wetterbericht ist ja gut für nächste woche. warmes oberteil ? ... alles noch sehr unorganisiert. das wird sich die nächsten tage wohl hoffentlich noch bessern.

dann auf zur pastaparty. die abendshow wirkt professionell. neben sven ist ein weiterer speaker zum team gestossen, der das meiste in einen atemraubenden schwall auf englisch, italienisch und dank einer starken spanischen läufergruppe auch auf spanisch übersetzt.
ein sehr emotionaler moment: der "einmarsch der nationen". die örtliche fußballjugend trägt die flaggen der teilnehmenden nationen in die festhalle. 28 stück, argentinien, korea, bermudas, venezuela, nur um ein paar zu nennen.

auf dem rückweg gönnen wir uns bei einem italiener noch espresso und grappa. sicher nicht die beste vorbereitung.

im camp ist bis spät nachts noch ein geraschel und getappel. überall leuchten stirnlampem wie glühwürmchen. ständig geht einer zur toilette oder ein team kommt erst noch verspätet an. weit nach mitternacht kruschteln die begleitenden sanis noch an ihrem rescuebag rum. schwere stiefel auf knarzenden holzdielen. alles in allem eine sehr unruhige nacht.




samstag - ruhpolding - st. ulrich 37.68km , 1223hm   [and]

zu allem übel ist ab 6:30 uhr schon wieder unruhe in der halle. dabei starten wir erst um 11:00. wir nützen die zeit und gehen nach dem frühstück noch durch ruhpolding. an einem meiner stöcke fehlt die metallspitze, was man wohl auch hätte früher bemerken können. jedenfalls habe ich glück und um punkt 10:00 öffnet der örtliche sportladen. wir finden eine passende spitze, etwas heisskleber und einen fön.
dann auf zum st
artbereich.

sven heizt noch richtig ein. im startblock ertönt "keep on running", der transalpine song und anschliessend ac/dc mit "highway to hell". das allmorgendliche ritual. der kamera hubschrauber kreist direkt über dem starterfeld. gänsehaut pur. wir wollen nur noch los. vom startschuss selber bekomme ich vor lauter getöse nichts mit, aber das feld setzt sich in bewegung. erstmal raus aus ruhpolding und dummerweise erstmal flache 10km das tal entlang. so aufgepeitscht gehen wir die natürlich etwas schnell an. wir laufen lange im pulk, dann der erste anstieg und schon stehen wir im stau! fotowütige spanier.

nach einer weiteren flachen, bzw. abfallenden passage geht es endlich richtig hoch. skipiste diretissima. endlich mal weg von den forstwegen. aber ganz schön anstrengend. bergab mehr oder weniger am stück bis waidring. ein echter wolfi (wolfgang pohl, seines zeichens streckenchef). steil. tricky. sehr steil. und sau heiss. und mit jedem meter, den wir an höhe verlieren, wird es noch dämpfiger. wir beginnen zu überholen, sind aber bald muskulär am ende.
nach 2/3 des abstiegs liegt ein läufer in rettungsfolie gewickelt und infusion im arm am wegrand.
das ist carsten! bernd's partner vom seeberger team. das vierte ulmer team. kreislauf kollaps !
was für eine scheisse !
aber er wird schon versorgt und wir können nicht helfen, so laufen wir weiter. nach dem schock nehmen wir das tempo allerdings nochmal ordentlich raus. da
s tut uns sicherlich gut.

ab waidring geht es dann noch ätzende 7 km nach st. ulrich. in der sonne auf einem forstweg. zum teil recht schön am pillersee und einem fluß entlang. der lädt sehr zu einem kühlen bad ein, weniger zum laufen.
die knochen schmerzen, die muskulatur ist stark belastet und morgen gehts 50 km über die berge....

abends noch neuigkeiten von carsten. der ist auf dem weg der besserung, allerdings über nacht im krankenhaus.

sonntag - st. ulrich - mittersill 51km, 2856 hm   [and]

start um 7:00 ! d.h. die ersten camper packen schon um 4:15 und stehen um 5:00 fix und fertig gerichtet beim frühstück !
läufer haben doch einen dachschaden. was drängt einen, 2 stunden vor dem start bereits in kompletter laufmontur rumzustehen, wenn der startbereich gerade mal 20m vom schlafplatz entfernt ist ?
mir ist der wenige schlaf wichtiger. ich kann aber nicht schlafen, wenn rund um mich herum luftmatrazen entlüftet und tüten durchwühlt werden. saubande.


jedenfalls stehen wir um 7:00 gut gefrühstückt aber verschlafen, voller ehrfurcht vor dem tag am start. 51km und 2800hm stehen heute auf dem plan. eigentlich sollen es nur 48km sein, aber diverse garmins und andere gps-geräte unserer mitläufer verraten am ende der etappe anderes.
unsere taktik: auf den ersten flachen 10km nicht allzuviel zeit verlieren und dann stetig aber moderat aufsteigen, bergab dann sehen was geht.
das gelingt uns auch einigermaßen gut. so erreichen wir die 2te verpflegungsstelle im hauptfeld mit einer stunde vorsprung auf das zeitlimit, obwohl ich mir auf den ersten km gleich erstmal eine pause nehme und eine scheuerstelle vorsorglich mit compeed abklebe.
weiter bergauf zum henlabjoch nehmen wir etwas geschwindigkeit raus und fallen etwas zurück, was allerdings nicht stört, da wir bergab zur dritten verpflegungsstelle wieder gut aufholen. trotzdem sind wir hier nur noch 45 minuten vor dem limit.
unglücklicherweise treten bei barbara plötzlich magenprobleme auf. sie macht die vielen gels und energieriegel dafür verantwortlich, vielleicht liegt's auch nur an zu wenig nahrung, oder an der prallen sonne, oder ... was auch immer. jedenfalls nehmen wir uns viel zeit für feste nahrung, brühe, schinken usw.
trotzdem geht es erst nur mit angezogener handbremse weiter. fast 700hm zur murnauer scharte hoch, 200hm runter und nochmal ein spitz mit 100hm, auf 10km. wir haben 2:45 stunden dafür zeit. aber wir sind langsam unterwegs und bald wird klar, wir werden unseren vorsprung aufbrauchen. es gilt, das zeitlimit an der vierten versorgungsstelle zu erreichen.

im letzten anstieg kommen uns nico und lutz, die beiden moutainbike-sanis, entgegen und treiben uns an. anscheinend geht es doch noch ein gutes stück bergab und die zeit wird eng.
dank der beiden reissen wir uns aus unserer lethargie und geben gas. die letzten paar meter hoch. von der scharte blicken wir zurück. da sind noch einige teams ein gutes stück unterhalb ! das wird für viele wohl nicht reichen.
gerüchteweise wurde das zeitlimit um 15 minuten verlängert. das schaffen wir locker, aber stimmt das auch? also lieber wirklich gas geben. erst noch coupiert, dann gut bergab laufen wir wirklich am limit - erstaunlich was nach knapp 8,5 stunden noch geht und erreichen die verpflegungsstelle 2 minuten über dem ursprünglichen cut-off. barbaras magenprobleme sind verflogen - erstaunlich was der kopf oder das adrenalin so bewirken.
zum glück stimmt das mit den 15 minuten und wir können uns nach der verpflegung weiter auf richtung mittersill machen. für unser partnerteam "knut&flocke" und weitere 14 teams reichen auch die zugegebenen 15 minuten nicht mehr. schade.
auf uns warten noch weitere 2 stunden! nochmal! 300hm anstieg! und dann ein harter 1300hm abstieg. zuerst direttissima über die bergwiese, bis wir auf einen hohlweg treffen und diesem sakrisch steil bergab folgen. unter normalem umständen würde ich mich über so einen weg richtig freuen. aber nach 9,5 stunden ? es geht endlos bergab. als plötzlich seppi neuhauser an der strecke steht und uns und die restlichen teams anfeuert, wissen wir, es kann nicht mehr allzuweit sein. danke seppi! zum glück geht es recht direkt in den ort und ins ziel.
wir haben es geschafft 51km, 2800hm - 10:36 sind zwar nicht rühmlich aber immerhin durchgekommen.

jetzt erst mal ins camp. das ist heute verdammt eng. ich habe aber keinen nerv, uns eine andere schlafstatt zu suchen. also erleiden. genauso wie die duschen. die sind saukalt. sind wohl direkt aus dem gebirgsbach abgezapft. die salzkruste muss ab, es hilft nichts.
die pastaparty wird ein ähnliches desaster. eine vollkommen überforderte küche bzw. ausgabe. um das anstehchaos halbwegs zu überstehen, versuchen wir erstmal mit einem bier auf den heutigen tag anzustoßen. als auch das nicht klappt gehen wir kurzerhand in die wirtschaft gegenüber dem camp.
super gulasch, gutes bier, prompter service und moderater preis. sehr schöner ausklang.

montag - mittersill - neukirchen 28km, 1500hm   [and]

endlich gut geschlafen. sehr schönes frühstücks-buffet. auch vom angekündigten regen ist noch nichts zu sehen. so kann der tag weiter gehen.
jetzt steht uns aber noch 9 km tauernradweg bevor, ächz.


ich roll heute überraschenderweise ganz gut vor mich hin, während barbara immer wieder gehpausen braucht. ich versuch mein tempo soweit zu reduzieren, sodass wir dann doch gleichzeitig am kontrollpunkt ankommen.
kurz nach dem einstieg zum wildkogel kommt seppi neuhauser von hinten ! sonst in der führungsgruppe zuhause - auch sein laufpartner ist kollabiert. die ausfallquote ist dieses jahr schon sehr hoch.
bergauf können wir wieder aufholen. denk ich. aber barbara bittet erschrocken um eine langsamere gangart und fängt das plaudern mit den vorbeiziehenden teams an. ich hab dafür keine luft übrig, könnte aber ein ganzes stück zügiger hoch - bitte laufen! kaffeeklatsch gibt's im ziel !
aber selbst wir holen langsam aber sicher teams ein, was mich wieder etwas beruhigt. und eh ich mich verseh, sind wir wieder sehr zügig unterwegs. jetzt muss ich wieder schauen, dranzubleiben. wer hat da barbaras schalter umgelegt ?
viel wald. ein recht schöner weg und dann auf den kamm. aber was ist das ? auf einem hügel weit voraus bewegt sich ein lindwurm. müssen wir da etwa noch hin ?
wir ziehen weiter unseren nun doch gefundenen tritt durch und kommen dann unverhofft plötzlich am gipfelplateau an, überholen sogar noch etwas unterhalb die solesisters - ein befreundetes team, das allerdings sonst eher vor uns läuft. jetzt noch der erste downhill zur verpflegung.
danach geht es nur noch runter. der weg ist anfangs schuttig, dann sehr bald einfach wunderbar. ein traumhafter mountainbike trail. weicher untergrund, etwas blockwerk, eine handvoll wurzeln, das ganze nicht allzu steil, teilweise sogar mit anlieger. insgesamt super zum laufen. wir sind in unserem element.
bald erreichen wir knut & flocke, die nach ihren "kurzen" tag gestern heute deutlich besser unterwegs sind. die beiden können uns bergab heute aber nicht halten.
zieleinlauf in neukirchen sehr direkt. aus dem wald gleich in die dorfmitte und schon im ziel. wir haben mächtig eingesammelt. die "donauläufer" walter und kurt sind auch erst gerademal 15 minuten vor uns ins ziel. schön.
zielankunft um 13:00, d.h. endlich mal zeit die taschen zu ordnen, in ruhe zu duschen, etwas abzuliegen, zu relaxen und ein bierchen zu trinken.
die offizielle pastaparty ist oben auf dem berg, das kollidiert aber mit barbaras massage termin, so dass wir im ort gut bürgerlich essen gehen. suppe, salat, burger, salat... ich kann wieder richtig schaufeln, das ist ein gutes zeichen.

dienstag - neukirchen - prettau 46km, 2050 hm    [and]

wieder fast 10 km flach auf teer anlaufen. für uns natürlich zu schnell. ich versuche sehr langsam durchzulaufen, während barbara zwischen laufen und gehen abwechselt. letztendlich kommen wir einigermaßen zügig voran.
bergauf kommen wir dem feld wieder näher und durchlaufen den ersten kontrollpunkt mit einer stunde puffer. zunächst geht's auf serpentinen steil bergauf entlang der krimmler wasserfälle. doch dann wird es hart. nochmal 10 km das hochtal hinter und barbaras rücken macht probleme, so dass wir weite teile nicht mehr als zügig gehen können. schade. bei der nächsten kontrolle sind wir nur noch 30 minuten unter soll.
jetzt macht sich auch noch mein gestern abend verklebter zeh (blase) bemerkbar. mal sehen, wie der nach dem lauf aussieht. das zwar schöne, aber auch irgendwie bescheuerte tal zieht sich ewig hin. uns weht ein teilweise recht starker, warmer wind entgegen, während sich direkt über der birnlücke eine wolkenwalze festsetzt. das sieht nicht gut aus. auf 2-3 stunden im gewitter haben wir partout keine lust.


endlich. endlich beginnt der eigentliche birnlücken-anstieg. ein schmaler wanderweg, der sich in vielen kehren sehr direkt nach oben schraubt. wir sind wieder ans feld rangerückt und beginnen zügig teams einzusammeln. unterhalb der birnlücke rückt die wolke näher und es wird nochmals richtig kalt.
wir ziehen schnell unsere warmen sachen an und weiter geht es mit der aufholjagd. der übergang wirkt gespenstisch. wir laufen in der wolke und mit jedem schritt näher tauchen plötzlich die umrisse der an der scharte wartenden begleitpersonen auf. dann erkenne ich nico, einen der rettungssanis, in goldfolie gewickelt an der seite sitzend. auch die dürfen mal einen schlechten tag haben. wir wechseln kurz zwei worte und ich will schon wieder weiter, als ich fast in barbaras vater nebst freundin biggi laufe. ein überraschender fanclub auf zugiger höhe! aber jetzt geht es wirklich weiter. barbara legt bergab ein strenges tempo vor. über feuchte steinplatten geht es steil runter.
die nächste verpflegung und kontrollstelle befindet sich an der kehrer-alm, d.h. 1 stunde zeit für 800hm . also runter !
wir passieren eine private versorgungstelle am rifugio brigata tridentina. tolle sache. wir werden gleich wie alte bekannte begrüsst. aghi hat hier wohl übernachtet und von uns erzählt....
aber wir haben noch ein ziel vor uns und können leider kein kaffeekränzchen halten.
weiterhin steile serpentinen auf steinplatten. uff. endlich die kehrer alm. aber kein checkpoint zu sehen. mist. weiter. jetzt auf einem fahrweg. barbara beisst. wir müssen weiter. endlich erreichen wir die kontrollstelle 5 minuten vor ende des zeitlimits! dabei sind noch viele teams hinter uns.
aber was wir nicht wussten: die kontrollstelle wurde um 2,5 km und 200hm tiefer ins tal verlegt und das limit um 30 minuten verlängert. wir sollten doch mal wieder auf das streckenbriefing gehen.

die restlichen 7 km sind ätzend , barbara hat wieder probleme (sei es rücken oder kopf ...) und mein linker fuss fühlt sich auch überanstrengt an. kurz vor prettau geht es dann auf der landstrasse bergab. ich dränge barbara zu laufen, um noch ein team vor uns einzuholen. eigentlich laufe ich vornweg und hoffe, dass ihr dickkopf und ehrgeiz sie hinter mir her laufen lässt.
hoffe, sie spricht im ziel noch mit mir.

koreaner nerven! ... zumindest dann, wenn sie sichtlich unterfordert mit einer ausgewachsenen spiegelreflex in der linken hand und einem camcorder in der rechten, den berg hinauf- und wieder hinunter- und wieder hinauflaufen und das restliche feld dabei filmen ! aber irgendwie auch nett !

mittwoch - prettau - sand 37km, 1450hm   [and]

die nacht im prettauer keller camp war sau kalt. man merkt die fast 1500 meter über meereshöhe. dazu reisst uns gegen 3:00 uhr ein feueralarm aus dem eh zu kurzen schlaf.
spannend! es passiert einfach nichts. die läufer drehen sich im schlafsack, das war es dann auch schon. - ich muss eh auf die toilette, also riech ich ins treppenhaus. kein rauch. nichts. keine feuerwehr. kein hausmeister. nichts. nun gut, ich leg mich wieder schlafen und versuch den lärm auszublenden.
mittlerweile haben sich doch noch ein paar jungs gefunden, die es irgendwie schaffen die glocke zu demontieren. an erholungsschlaf ist allerdings wirklich nicht mehr zu denken.


nach dem frühstück verseh ich meinen über nacht in voltaren getauchten fuß mit etwas tape zur unterstützung des bandapparates. wird schon helfen.
die ersten 5-6 km laufen wir heute früh auf der öffentlichen strasse! zum teil durch tunnel und galerien. dazu noch verkehr... nicht so schön.
mein fuß ist nicht glücklich. an ein rundes lockeres rollen ist leider nicht zu denken ! vor allem die wechsel zwischen gehen und laufen bereiten mir probleme. überhaupt sind die kurzen trailigen bergabpassagen heute für mich eine qual. aber glücklicherweise geht es nach schier endlosem anlaufen endlich den speikboden hoch. da kann ich konstant gehen, das geht dann schon irgendwie. wir laufen überwiegend auf schotterstrassen, zum teil kürzen wir auf pfaden ab. ein schöner wald, aber zu viel ausgebaute forststrassen.
auch die kontrollstelle auf dem speikboden ist unspektakulär, zu mal wir ein gutes stück unterhalb des gipfels schon wieder abdrehen.
der downhill ist wieder ein herrlicher waldweg. das macht spaß. irgendwie komm ich wieder halbwegs ins laufen. wahrscheinlich ist bergab der adrenalinspiegel hoch genug.
im ziel pack ich gleich meinen fuß aus und hänge ihn in den eiskalten stadtbrunnen. kühlen kann nie schaden - hier unten ist es nämlich mit dem laufen auch schon wieder vorbei. mist.
es führt wohl nichts an einem besuch bei den rennärzten vorbei.
dort wird dann auch schnell zur gewissheit, was sich im tagesverlauf schon angedeutet hat. sehnenscheidenentzündung. mir wird ausser schmerzmittel nur noch der dringende rat gegeben, damit nicht zu versuchen, noch drei tage weiterzulaufen. den eisbeutel muss ich mir schon extra erbitten.

aus! finito! ende! vorbei !

und barbara ? sie ist heute morgen eh schon leicht verkühlt am start gestanden. und das für sie immer leidige thema des einfach-dahin-rollens fiel heute extra schwer. mal kalt, mal warm – auch nicht ganz gesund. so beschliessen wir, zusammen auszusteigen, weil fit genug, um mit einem anderen team mitzulaufen, ist sie auch nicht. und nach ihrer nächtlichen schnarcherei zu urteilen, sind die nebenhöhlen alle zu.

auf der pastaparty komm ich mir schon wie falschgeld vor. ich werde morgen nicht mitlaufen können. also was soll ich hier ? ich gehör nicht mehr dazu.

donnerstag + freitag - camp antholz + niederdorf   [bar]

die nacht war nicht gut. hab mich wohl ordentlich erkältet. und andreas fuss sieht morgens recht unförmig aus. so weh es tut, die entscheidung, auszusteigen, ist leider die richtige. morgens ist alles wie sonst – fast alles. wir packen unsere sachen, gehen zum frühstück und steigen mit den anderen in den shuttle zum start. nur: in „zivil“ und mit den crocs statt mit den laufschuhen. die vielen ungläubigen und fragenden blicke der mitläufer machen es nicht leichter. den start sehen wir von der anderen seite, mit vielen anderen, die wie wir nicht mehr dabei sind.
kaum sind die läufer um die erste ecke, wird oben schon der startbogen abgebaut. der ganze tross ist ein kleiner, emsiger ameisenhaufen. in kürzester zeit wird hier in sand vom transalpine run nichts mehr zu sehen sein.
wir besteigen den „invaliden-bus“. martin fährt uns und drei weitere aussteiger nach antholz. die stimmung im bus ist gedrückt. keiner ist glücklich, hier zu sitzen. jeder wäre lieber draussen im feuchten nebelwetter als hier im warmen bus. läufer sind schon komisch. erst die verwirrenden eskapaden des tomtom-navigationsgerätes lockern die stimmung.


in antholz steht das ziel fast schon. es gibt zwei sätze für den start-zielbereich. der aus sand ist schon nach niederdorf für morgen unterwegs. es ist schon interessant, die ganze geschichte einmal aus der anderen warte zu sehen. aber ich würde lieber laufen !
wir pflanzen uns ins gore-zelt. dort bereitet lissi, die physiotherapeutin, ihren arbeitsplatz vor. und schnappt sich andreas und seinen fuss. ultraschallbehandlung, traumapuren-gel. super ! und für meinen mittlerweile sehr starken husten findet sich eine apotheke.
aghi und biggi stossen zu uns und gemeinsam erwarten wir die führenden. es ist wahnsinn, wie sehr ettore und silvano das feld dominieren ! das feld kommt über stunden verteilt rein. aber es ist nie langweilig.
interessant auch die schlange vor dem rescue-bus. ein wartezimmer beim orthopäden ist selten voller – nur sitzen hier die patienten quasi auf der strasse. und der behandlungsraum ist auch openair – wer hängt diesmal an der infusion ? privatsphäre als patient gibt's nicht. und die leute vom rescue-team haben viel zu tun.
abends zur pasta-party ist meine stimme weg, dafür habe ich alle klamotten angezogen. kalt. toll. andreas humpelt, aber leise hoffnung keimt auf, dass lissis behandlung helfen könnte !

auch am nächsten morgen dasselbe. aufstehen, packen, frühstück und den anderen beim start zusehen. die fahrt nach niederdorf geht schnell. auf dem dortigen marktplatz steht das neue transalpine-dorf schon fast komplett. ultraschall für andreas und ich verschwinde in meinem schlafsack und verpenne den ganzen restlichen vormittag. und ? und ! danach geht's mir deutlich besser und andreas fuss sieht wieder nach fuss aus. lissi gibt ihm ihr okay für den morgigen start, wenn ich ihm noch ein schönes sehnentape dazu mache. die letzte etappe, die an den drei zinnen vorbei, der einlauf in sexten – und wir werden wieder dabei sein ! schon fast euphorisch geniessen wir die pastaparty in niederdorf. wir werden morgen wieder laufen !

samstag - niederdorf - sexten 34km, 2100 hm    [bar]

für mich ein halstuch und für andreas ein kräftiges tape und es wird wahr: wir stehen wieder im startblock. es ist schön, wie man von der „familie“ begrüsst wird! dann ein letztes mal „keep on running“ und highway to hell“ und auf geht's.
die etappe beginnt mit unserer lieblingsdisziplin – anlaufen auf geteertem radweg. eben dahin bis toblach. dann rechts ab ins höhlensteintal, auf der ehemaligen bahntrasse. sehr moderat leicht ansteigend, vorbei am traumhaft im nebel liegenden toblacher see. nach den ersten 10km ein schwenk über die strasse, die erste verpflegung und endlich bergauf ! ein schmaler wanderweg schraubt sich durch den bergwald. eine hangquerung ist etwas ausgesetzt, aber problemlos. hier steht die örtliche bergwacht parat. wir erreichen eine hochgelegene wiese und haben den ersten panorama-blick in die umliegenden gipfel vor uns.


über uns die lückele-scharte. ein lindwurm von läufern zieht die letzten serpentinen im geröll hoch. nach 1300hm ist der erste anstieg geschafft. wir liegen weit hinten – andreas' fuss macht mal so eben mit und mein husten meldet sich auch bei jedem schnelleren schritt.
der abstieg wird sehr zäh, andreas kann nicht mehr als langsam gehen. ich meine, schon die schlussläufer zu sehen. noch mal 600hm rauf, oben erwartet uns ein kleiner klettersteig und wiederum die bergwacht im anschliessenden schrofengelände. und der erste blick zur dreizinnenhütte. das mit dem zeitlimit heute wird mal nichts mehr. aber ich will andreas mit seinem fuss sowieso den letzten 1100hm-abstieg nicht machen lassen. an der hütte aussteigen ist der plan. aber bis dahin zieht es sich noch ganz schön über die karstigen hochfläche der sextener dolomiten. rechts und links am weg noch zeichen des damals hier tobenden frontenkrieges. wir sind ziemlich alleine. kaum ein anderer läufer zu sehen. nach 6,5h erreichen wir die hütte. lutz und nico begrüssen uns und können nicht glauben, dass wir aufhören wollen. gar nicht drin! widerrede zwecklos. andreas bekommt von helmut einen „skischuh“ von tape-verband verpasst und eine voltaren eingeflösst. damit sollte er weiterlaufen können, aber bittebitte den verband im ziel sofort lösen ! ich bin noch skeptisch, aber andreas fuss hat doch tatsächlich gar nicht so schlimm ausgesehen. mein tape vom morgen hat seinen teil bergauf gut erledigt. und jetzt hat er eben ein downhill-tape. lutz und nico erkundigen sich, ob's so gehen würde und machen sich schon mal an den schnelleren abstieg. und dann das kleine wunder – andreas springt vor mir den berg runter ! wie vor unserem ausstieg in sand. wir sammlen teams ein und arbeiten uns ein wenig nach vorne. unsere beiden sanis können's auch kaum glauben. und so rennen wir das fischleintal richtung sexten, richtung ziel hinunter. aghi und biggi erwarten uns.
im ziel partystimmung, jeder fällt jedem um den hals. der tar 2008 ist beendet.

[and]

der letzte tag.
und wir stehen wieder mit den anderen im startbereich. nach 2 tagen ultaraschall und salbenbehandlung ist mein fuss wieder komplett abgeschwollen. mal sehen wie er heute mitmacht. anfangs recht eben dahinrollen. scheint alles ganz gut zu funktionieren. nach der ersten - und auf den nächsten kilometern die letzte verpflegung - geht es steil bergauf. das ist fast sowas wie der point of no return. wenn wir hier weiterlaufen, müssen wir bis zur dreizinnenhütte durchhalten! - oder zurücklaufen.
bergauf bin ich mir etwas unsicher, werde aber eh von barbara gebremst. soviel atemarbeit lässt ihr abgeklungener husten/erkältung nicht zu.
wir haben ja nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen. also gemütliches mitmarschieren. als es nach einem langen bergaufmarsch endlich wieder runter geht wollen wir es rollen lassen. aber jetzt streikt mein fuss! bergab geht gar nicht. so bremse ich jetzt massiv. noch ein weitere anstieg und ein langer bogen bis zur dreizinnenhütte.
mittlerweile sind wir fast ganz am ende des feldes angelangt. und ich humple so vor mich hin. barbara macht sich zunehmend sorgen um mich, zumal die docs vom rescue team uns schon eine chronisch entzündete sehne als „worst case“- szenario in aussicht gestellt hatten.
an der drei zinnenhütte stellt sich aber heraus, das hier gar kein auto zur verfügung steht und man nur als „offiziell verletzter“ von der bergwacht mit allen folgenden kosten abtransportiert werden kann...
das erscheint mir dann doch allzu dick aufgetragen. ich will ja nur nicht die besenläufer unnötig aufhalten. zumal wir eh schon das zeitlimit um bereits 45 minuten überzogen haben.
mit hilfe von helmut vom verpflegungsstand wird mir ein skischuhartiges festtape angepasst, ein voltaren eingeworfen und wir laufen mit nico und lutz vom bike-rescueteam bergab.
nach wenigen minuten hab ich mich an den schuh derart gut gewöhnt, dass ich leicht ins laufen komme. schliesslich sogar richtig gut rennen kann.

wollte ich nicht gerade vor 20 minuten noch aussteigen? bin ich nicht rumgehumpelt? oder habe ich mir das alles nur eingebildet? die eine tablette kann doch nicht so schnell wirken? reichen da 2 rollen klebestreifen aus?
lutz meinte noch er würde eh keinem läufer glauben... ich auch nicht mehr. nicht mal mir selber! äusserst merkwürdig.

endlich das ziel. ungeduldig werden wir bereits von barbaras vater samt freundin erwartet. heute mussten sie lange ausharren. im ziel gibt es viele glückwünsche von uns läufern untereinander. aber der stachel sitzt tief. diesmal wird es kein finisher shirt geben. das ich da in guter gesellschaft bin ist nur ein leichter trost...



und ?

wir waren gut vorbereitet. keine muskulären probleme, nach keiner etappe so erschöpft wie 2006. und trotzdem der ausstieg. wir wollen es auf die langen anläufe auf teer schieben, die in den relativ steifen trailschuhen gar nicht gut für andreas waren. wir sind zwar über 240km gelaufen, haben aber nicht gefinished. leise frustration ....

die ostroute von ruhpolding nach sexten ist konditionell eine wahre herausforderung. sie bietet viele wirklich schöne trails und mit der schlussetappe ein absolutes highlight. für unseren geschmack haben wir aber zuviele kilometer auf teer abspulen müssen. die westroute von oberstdorf ins vinschgau liegt uns mehr – und erschien uns in den ersten tagen auch landschaftlich eindrucksvoller und deutlich technischer.

die organisation war wie gewohnt super. das camp allerdings war's weniger. zu eng, zu voll, zu viele kalte duschen. es ist nicht zuträglich für die leistungsfähigkeit, wenn 300 läufer ihr immunsystem totlaufen und dann eng auf eng liegen und einen grossen topf verschiedener erreger anrühren. plan b und uta haben getan, was sie konnten. man kann nur hoffen, dass die locations für die camps in zukunft grösser ausfallen. ansonsten : es ist ein transalpine-run und kein 5-sterne-wellness-urlaub ... aber unser tipp: bei einer teilnehmerzahl von über 200 teams das camp vielleicht lieber meiden.